Face the Outback

Ab durch die Mitte

In acht Tagen von Adelaide nach Alice Springs, mit dem Bus. Es versprach eine abwechslungsreiche Tour zu werden, und das wurde es auch, wenn man mal von der Musikauswahl absieht vielleicht.

Dogfence Schattenwurf Royal Mail

Am fruehen Morgen wurde ich in Adelaide aufgesammelt, gegen 7:40. Nach einigen Tagen erschien mir das allerdings schon gar nicht mehr so frueh, mussten wir doch einige Male schon um fuenf aus den Federn. Fiona, unsere Guidine, fuhr mich und die restlichen Pickups noch schnell zum Buero von Wayward, wo die anderen Mitfahrer schon warteten. Zwanzig Leute, der Bus war praktisch voll. Raus aus der Stadt, ab auf die Strecke, zuerst mal in die Flinders Ranges. Die waren auch schon mal hoeher, bekamen wir erklaert: Sie gehoeren zu den aeltesten Bergen der Welt und sind in den letzten 700 Millionen Jahren schlicht wegerodiert. Uebrig sind nur noch ein paar beschauliche Huegelchen. Trotzdem huebsch, und man ist auch viel schneller raufgelaufen, um einen Rundumblick zu erhaschen.

Wilpena Pound Mt. Ohlsson Bagge Flinders Ranges

Am ersten Abend wurde gleich mal draussen uebernachtet, im Swag. Fuer Nicht-Australier: Das ist eine Art aufrollbares Bett, ein stabiler, geraeumiger, wasserfester Schlafsack, in dem die Matratze gleich mit integriert ist. Ausrollen, reinlegen, abschnarchen - nach einem ausgiebigen Blick in den Sternenhimmel, versteht sich. Wirklich eine coole Sache, sowas brauche ich auch mal! Weniger lustig fanden es erstmal einige Leute, die vergessen hatten, sich einen Schlafsack zu besorgen oder zu reservieren und daher doch etwas frieren mussten. Nach drei Tagen hatten es einige Leute geschafft, sich einen Schlafsack zu kaufen (das ist nicht gar so einfach in dieser Gegend!), und Fiona hatte von entgegenkommenden Bussen ueberzaehlige Tueten geborgt, so dass dann alle auch nachts warm blieben.

Schlafplatz

Unser Bus fuer diese Tour hatte etwas mehr Platz als der, mit dem ich die Great Ocean Road langzockeln durfte. Wowereit! So kann man wenigstens auch mal den kleinen Rucksack unter dem Sitz verstauen und hat trotzdem noch Platz fuer die Hinterpfoten. Dafuer wurde es allerdings auf den vorderen Sitzen ordentlich warm; die Deckeldichtung der Motorkiste war irgendwie nicht so ganz dicht, und die heisse Abluft vom Kuehler pfiff an allen Ecken und Enden raus. Kommt auch gut, wenn draussen schon ueber 30 Grad sind. Gut, dass ich die Tour nicht frueher im Jahr unternommen habe. An einigen Stellen wirds draussen schon locker 50 Grad. Im Schatten, versteht sich! Auf unserer Tour blieb es in den Dreissigern. Und der Bus hatte eine ordentliche Klimaanlage. Puha!

Die Gruppe war von Anfang an etwas zweigeteilt. Hier eine Ladung von den World Police and Fire Games uebriggebliebener Deutscher und Hollaender, dort eine Fuhre etwas juengerer Schwedinnen und Briten, die in erster Linie auf PAAADIIEEE geschaltet waren (plus ein Ire,der ganz brauchbar drauf war =:-) In den naechsten Tagen entwickelte sich noch eine dritte Gruppe, die der "Party Pooper", bestehend aus einer Deutschen, einer Schweizerin und einer Kanadierin, zu denen auch ich gelegentlich Anschluss fand, waehrend die Sportler doch eher unter sich blieben. Ausnahme: Gunter, ein Feuerwehrler, der gnadenlos in schwarzrotgoldenen Klamotten rumlief und stets die Deutschlandfahne griffbereit hatte, sich auf den zweiten Blick aber als Lilalaunebaer entpuppte, der auf seine etwas schraege Art irgendwie mit jedem konnte. Ganz im Gegenteil zu seinem Landsmann, der in erster Linie alles Scheisse fand, eh schon ueberall war und alles konnte. Habe ich schon erwaehnt, dass ich diese Leute ueberhaupt nicht kenne? =*) Ja, in den naechsten Tagen sollte sich ein ziemlicher Zoo entwickeln, an dem jeder Verhaltensforscher seine wahre Freude haben koennte! Ich packte mich meist etwas daneben und guckte zu, wurde allerdings zwischendrin auch mal genoetigt, an ein paar kaputten abendlichen Lagerfeuerspielchen mitzuwirken. Einmal zweiter, einmal einer von zwei Ersten. Aetsch, Junggemuese!

Unterdessen zogen wir ueber den Oodnadatta Track nach Williams Creek. Der Track ist eine unbefestigte staubige Piste mit ausreichend Wellen, Schlag- und Schlammloechern, um die Busfederung ordentlich zu beschaeftigen. Ja, auch Schlammloecher, es hatte in der Woche zuvor tatsaechlich geregnet, und die Temperaturen waren sozusagen im gruenen Bereich, was durchaus freut, vor allem deshalb, weil es die Massen an Fliegen etwas im Zaum haelt. Waren auch so genug, um ausgiebig zu nerven. Es ist halt nicht so einfach, mit einem Fliegennetz ueber dem Kopf zu essen. Ohne Netz gibts dafuer ordentlich Fleischbeilage, denn die Viecher haben, anders als ihre germanischen Verwandten, keinerlei Respekt vor Muendern und Nasenloechern. Gottseidank wurde es nach Sonnenuntergang deutlich ruhiger.

Oodnadatta Track Lake Eyre Ghan

William Creek ist (inklusive Fliegen) eine australische Outbacktown aus dem Bilderbuch, drei Haeuser, ein paar Zaeune und Schafscherschuppen, ein Airstrip und eine urige Kneipe komplett mit Crocodile Dundee-Typen im Cowboyhut. Super! =:-) Die Jukebox lieferte etwas Abwechslung vom Britpop, den die Partymeute im Bus ununterbrochen am Laufen hatte und alles andere wegbiss. Nicht, dass ich Snow Patrol je besonders gemocht haette, aber nach vier oder fuenf Tagen Dauerberieselung steigt die Mordbereitschaft doch etwas an... Die anwesenden Polizisten haetten wahrscheinlich weggeguckt, so richtig begeistert schienen die mir auch nicht zu sein.

Übernachtung in William Creek Nanu..? Poser

Anderntags sollte in William Creek ein Pferderennen stattfinden, das allerdings mangels Wasser fuer die armen Tierchen kurzerhand auf Enduros umgesattelt worden war. Der Cowboy von heute ist ja flexibel... Wir hatten am Abend davon erfahren und beschlossen, zuzugucken. Als wir zehn Minuten nach der geplanten Startzeit noch fast die einzigen Zuschauer waren und abgesehen von einigen Poser, die Wheelies uebten, noch keine Anzeichen von Startvorbereitungen zu sehen waren, packten wir uns aber doch wieder in den Bus, um nach Coober Pedy weiterzufahren.

09:46

Kommentare

Swag

Stimmt auffällig - die Dinger sind super! Einzige Problem: Ohne Auto zum transportieren hast Du an denen auch kein Spaß!

timo, 01.05.2007 13:09

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