Unterirdisch

Coober Pedy

Coober Pedy ist eine lustige Stadt. Oberirdisch sieht es eher aus wie ein etwas ausgefallener Schrottplatz mit jeder Menge schraeger Maschinen und Vorrichtungen. Der wahre Wahnwitz spielt sich fast komplett unter der Erde ab: Hier wird nach Opalen gebuddelt.

Coober Pedy Kirche in Coober Pedy

Nicht nur die Minen sind unterirdisch. Weil das Wetter meist eher extrem ausfaellt, hat man auch die Wohnhaeuser und diverses andere unter die Erde verlegt, wo es das ganze Jahr ueber zwischen 22 und 25 Grad hat, waehrend oben irgendwas zwischen 0 und 50 Grad herrschen. Ausserdem ist alle notwendige Ausruestung vor Ort, so dass ein neuer Dugout in zwei Tagen und mit grade mal ein paar tausend Dollar an Kosten gebaut ist. Bisschen Klarlack an die Waende, gegen den Staub, ein oder zwei Luftschaechte bohren, Moebel reinstellen, fertig. Nur Fenster gibts keine, aber die will hier eh keiner haben. Dafuer gibt es den einen oder anderen unterirdischen Squashcourt oder Swimmingpool: Opalabbau ist im Ort offiziell verboten, und so wird halt gelegentlich der Wohnraum erweitert, wenn man unter dem Haus wieder was gefunden hat.

Wir wurden mitsamt einer ortsansaessigen Fuehrerin einmal rundum kutschiert und durften uns diverse Anekdoetchen anhoeren, dass hier die Familie gerne mal sonntags um den Wohnzimmertisch sitzt, Sprengstoff mischt und Bomben baut (immer noch voellig legal, obwohl wenn die Resultate in den letzten Jahren auch mal am Gerichtsgebaeude oder dem einen oder anderen Polizeiauto getestet wurden), oder dass der Ort recht unterschiedliche Einwohnerzahlen hat, je nachdem, ob man den Council fragt (etwa 3500), das Postamt (5000) oder die Steuerbehoerde (100). Am Autokino hing fueher mal ein Schild, dass Gaeste keinen Sprengstoff mitbringen duerfen. Es hatte da mal ein paar Probleme gegeben, wenn die Leute mit den Bomben auf der Ladeflaeche nach der Arbeit ins Kino fuhren, um dann ganz relaxt zwischen den Autos herumzulaufen, eine Buddel Bier in der einen, die Zigarette in der anderen Hand... Heute werden Postkarten mit dem Schild verkauft: Coober Pedy ist ausgesprochen touristisch geworden.

 Wohnzimmerwand Schiefgelaufen

Wir verbuddelten uns ganz stilgerecht in einem Dugout, nachdem wir eine ortsansaessige Pizzeria unsicher gemacht hatten. Ich laborierte immer noch etwas an der auf Kangaroo Island eingefangenen Erkaeltung und war etwas platt. Daher verzog mich bald ins Bett, wohingegen die Partymeute in die naechste Kneipe zum dort gerade stattfindenden Karaoke zog. Eigentlich waere das ja schon einen Besuch wert gewesen... muss ziemlich abgegangen sein, aber ich konnte auch wirklich ein bisschen Ruhe vor der Mannschaft brauchen.

Leider war der Tag sehr kurz - dieser skurille Ort waere ein Fest fuer Fotofreaks, hier ist alles voller richtig schraeger Motive! Ausserdem kann man an einigen Stellen im Abraum nach uebriggebliebenen Opalen suchen. Nicht, dass die Chancen allzu gut stuenden... und am naechsten Tag sollte es sehr frueh losgehen, denn die Fahrt zum Uluru zieht sich doch reichlich.

05:11

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